Zwei Wassertische? – PRESSEMITTEILUNG vom 11.10.2011

Nach lang anhaltenden Differenzen hat der Berliner Wassertisch am 4. Oktober bis auf Weiteres eine Trennung vollzogen. Die Auseinandersetzungen entbrannten an der Frage des weiteren Vorgehens. In der nächsten Legislaturperiode steht die Prüfung der nun durch den Volksentscheid offengelegten Verträge an. Der Wassertisch möchte diese Prüfungen kritisch begleiten. Während eine Gruppe dazu eine enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Unabhängiger Juristen anstrebt – einer AG, die von der langjährigen juristischen Beraterin des Volksentscheids UNSER WASSER, Sabine Finkenthei, unter dem Dach der GRÜNEN LIGA koordiniert wird – versucht die Gruppe um das siebenköpfige Presseteam des Wassertischs, Frau Finkenthei, den Verfasser des Offenlegungsgesetzes und Sprecher des Volksentscheids, Thomas Rudek, und weitere Aktivisten aus dem Wassertisch hinauszudrängen. Dazu Jean-Theo Jost, langjähriges Wassertisch-Mitglied: „Das Presseteam versucht, die juristische Kompetenz aus dem Wassertisch hinauszudrängen, ohne eine eigene zu haben – das schadet den Interessen des Wassertischs und der Berliner Bürger.“

In einer polit-krimireifen Aktion kündigte das Presseteam zu diesem Zweck zwei Tage vor dem regulären Tagungstermin an, das monatliche Plenum von den angestammten Räumen der Berliner Compagnie an den Mehringdamm zu verlegen – ohne Rücksprache und ohne Angabe von Gründen. Die Tagesordnungspunkte wurden nur eingeweihten Mitgliedern mitgeteilt. Diesem intransparenten und undemokratischen Vorgehen fehlt jedoch jegliche Legitimation. Nur das Wassertisch-Plenum kann den Tagungsort des Plenums bestimmen – nicht aber das Presseteam. Ziel der Aktion: Der Ausschluss von Mitgliedern, die schon lange den Kurs des Presseteams kritisieren, der den Wassertisch ins mediale Abseits manövriert hat. Deshalb traf sich am traditionellen Ort parallel zur Veranstaltung des Presseteams, eine Gruppe von Wassertisch-Aktivisten zum regulären Wassertisch-Plenum, die solche robuste Methoden nicht mittragen. Bei diesen Vorgängen ist deutlich geworden, dass das bisherige Presseteam nicht mehr den gesamten Wassertisch repräsentiert. Der reguläre Wassertisch wird sich daher eine Lösung für die Sach- und Öffentlichkeitsarbeit überlegen, die geeignet ist, den Wassertisch in der Öffentlichkeit wieder zu einem kompetenten Mitspieler für eine kostengünstige und bürgernahe Rekommunalisierung zu machen

Hintergrund: Das Medieninteresse konzentrierte sich in Fragen der Rekommunalisierung der BWB zuletzt auf den von Frau Finkenthei koordinierten Arbeitskreis Unabhängiger Juristen. So ist ihrer Initiative das vielbeachtete Schreiben an die EU-Kommission zu verdanken, in dem Transparency International und die Verbraucherzentrale Berlin die Rückabwicklung der Teilprivatisierung aufgrund von Verstößen gegen EU-Recht verlangen. Die Vorstellung eines juristischen Leitfadens für die Berliner Abgeordneten – auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Berlin und dem Bund der Steuerzahler vorgestellt – mit denen die Parlamentarier eine Rückabwicklung der Verträge durch ein Organstreitverfahren erreichen könnten, geht ebenfalls auf die Unabhängigen Juristen zurück.

Dazu Frau Finkenthei: „Die juristische Prüfung der Verträge bietet eine gute Möglichkeit, die Teilprivatisierung rückgängig zu machen. Es ist zu beklagen, dass die Pressegruppe des Berliner Wassertischs diese Informationen der Berliner Bevölkerung vorenthält. Ansätze der Pressegruppe zur Anfechtung der Wasser-Verträge sind mir nicht bekannt.“

Kontakt:
Wolfgang Rebel Tel: 0152-57 23 34 84
oder: webmaster@berliner-wassertisch.info (neue Wassertisch-Seite im Aufbau)

Kommentar zum TAZ-Artikel „die Wasser teilen sich“ vom 16.10.2011

Zum Artikel in der taz “die Wasser teilen sich” vom 16.10.2011 möchte ich folgendes richtigstellen:
Es ist nicht richtig, dass sich der Wassertisch in „Wassertisch“ und „Wasserbürger“ gespalten hat, sondern in eine Veranstaltung die ohne Legitimation des Wassertisch-Plenums seit dem 4.10.2011 am Mehringdamm stattfindet und in den legitimen Wassertisch, der nach wie vor (auch am 4.10.2011) in der Muskauer Straße tagt.

Richtig ist, dass die Ursache für die Spaltung inhaltlicher Art ist. Es geht in der Tat um nichts anderes als um die Zukunft der Berliner Wasserbetriebe. Um eine kostengünstige Rekommunalisierung zu erreichen, müssen alle Möglichkeiten politisch und juristisch genutzt werden. Eine davon ist auch ein neues Volksbegehren, eine andere die vom Arbeitskreis unabhängiger Juristen ausgearbeitete Beschwerde bei der EU, die von der Verbraucherzentrale und Transparency International auf den Weg gebracht wurde, eine dritte eine Klagemöglichkeit für Abgeordnete, die ebenfalls vom Arbeitskreis unabhängiger Juristen erarbeitet wurde und als Juristischer Leitfaden von der Verbraucherzentrale und dem Bund der Steuerzahler der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Nun ist aber auch folgendes Tatsache: das Presseteam des Wassertisches, unter dessen Kontrolle sich auch die Webseite berliner-wassertisch.net befindet, hat es bisher nicht für nötig befunden, die Aktivitäten dieser unabhängigen Juristengruppe überhaupt auf seiner Webseite zu veröffentlichen. Es wird vielmehr von den juristischen Laien des Presseteams behauptet, dass ein anonymer juristischer Leitfaden, weil die Autoren nicht namentlich bekannt seien, nicht verwendbar sei. Dabei ist natürlich der Name der Koordinatorin des Arbeitskreises sehr wohl bekannt, der juristische Leitfaden wurde regulär verlegt, hat eine ISBN-Nummer und ist damit zitierfähig.

Und dann wird geputscht: der Tagungsort für das monatliche Plenum wird verlegt, die Begründung hierfür und die Tagesordnung aber nicht (auch auf Nachfrage nicht) mitgeteilt. Dann werden Leute, die die Initiaive der Wasserbürger für ein neues Volksbegehren inhaltlich unterstützen, nur weil sie eine Minderheitsmeinung zu Fragen eines neuen Volksbegehrens haben, ohne sie anzuhören ausgeschlossen.

Die Tatsache, dass beim Wassertisch auch Leute mitarbeiten, die die Linie der Wasserbürger für ein neues Volksbegehren unterstützen, rechtfertigt unter keinen Umständen ihren Rausschmiss. Der Wassertisch ist ein Personenbündnis und selbstverständlich sind dort auch Personen aktiv, die noch anderen Organisationen wie z. B. attac oder GiB zuzuordnen sind. Auch die Tatsache, dass in einer Plenumsabstimmung beschlossen wurde, zunächst nicht aktiv auf ein neues Volksbegehren hin zu arbeiten, rechtfertigt es nicht, die Minderheitsfraktion deshalb auszuschließen. Genau das aber ist geschehen.

Am Tagungsort des regulären Versammlungsortes des Wassertischs versammeln sich Wassertischler, die die Putschmethoden des Presseteams nicht tolerieren wollen. Es handelt sich dort nicht um ein Plenum der Wasserbürger, wie von der Gegenseite behauptet, und es versammeln sich dort auch nicht nur Leute, die die Intentionen der Wasserbürger unterstützen. Um sich in der Öffentlichkeit ebenfalls darstellen zu können, hat der reguläre Wassertisch (Tagungsort Muskauer Str.) eine neue Webseite erstellt: http://www.berliner-wassertisch.info.

Wolfgang Rebel

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