Offener Brief an alle Abgeordneten zur Abstimmung vom 25. Okt. 2012 über den Rückkauf der RWE-Anteile

Briefkopf
Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

am Donnerstag, den 25. Oktober hat das Abgeordnetenhaus mit seiner Mehrheit dem Kaufvertrag für die RWE-Anteile an den Berliner Wasserbetrieben durch das Land Berlin zugestimmt.
Abgeordnete sind mit ihrem Mandat den Interessen der gesamten Bevölkerung verpflichtet und an Auflagen nicht gebunden, sondern sollen nach eingehender sachlicher Prüfung allein nach ihrem eigenen Gewissen entscheiden. Es erscheint uns jedoch fraglich, ob der Senat alle notwendigen Informationen in einer Weise veröffentlicht hat, die es den Abgeordneten ermöglicht haben, sich eine eigene begründete Meinung über den Vorgang zu bilden. Wir möchten daher gern erfahren, ob Sie sich sachkundig machen konnten und ob Ihre Informationsmöglichkeiten einem Geschäft in Höhe von über 650 Millionen Euro angemessen waren.

Der Rückkaufvertrag, dem die Parlamentsmehrheit zustimmte, ist ja sehr komplex und daher nicht nach einfachem Durchlesen schon verständlich. Wurden Ihnen von Senats-Seite Erläuterungen zur Verfügung gestellt, die zum Verständnis hilfreich waren?

Im Rückkaufvertrag wurde auf drei nicht im Internet veröffentlichte Verträge verwiesen, die dadurch Teil des Vertragswerkes wurden: (a) das Shareholders‘ Agreement. (b) der Betriebsmittelkredit-Vertrag und (c) der Beteiligungskredit-Vertrag.

Diese unveröffentlichten Vertragsbestandteile lagen nebst einigen Gutachten im für vertrauliche Unterlagen vorgesehenen Datenraum für die Abgeordneten zur Einsicht aus. Hatten Sie genügend Zeit und Gelegenheit, den Datenraum aufzusuchen, um sich über den Anteilsverkauf und seine Auswirkungen sachkundig zu machen? Spielte es für Sie eine Rolle, dass der Text des Shareholders‘ Agreement bis eine Woche vor der Abstimmung nur in englischer Sprache vorlag? War es für Sie bei der Lektüre im Datenraum problematisch, dass Sie sich keine Kopien oder Notizen machen durften? Hätten Sie sich gewünscht, bestimmte Stellen dieser Vertragsbestandteile als Kopie aus dem Datenraum mitnehmen zu dürfen, um einem fachlich versierten Kollegen später noch klärende Fragen zu bestimmten sachlichen Zusammenhängen oder juristischen Fragestellungen stellen zu können?

Große Teile des Rückkaufvertrages wurden vorher vom Senat im Internet veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein kompliziertes juristisches Vertragswerk, das senatsseitig von der Kanzlei Luther betreut wurde. Da die Teilprivatisierungsverträge (Konsortialvertrag, StG I Vertrag, StG II – Vertrag) von 1999 weiterhin gelten, waren auch sie Teil des Rückkauf-Vertragswerks. War Ihnen bewusst, dass Sie – sofern Sie mit JA gestimmt haben – damit auch die weitere Gültigkeit der Teilprivatisierungsverträge – einschließlich des Weiterbestehens der Gewinngarantie nach § 23.7 – in Kauf genommen haben?

Fühlten Sie sich in jedem Fall sowohl vom Senat als auch von ihrer Fraktion ausreichend informiert, um sich eine eigenständige, sachgerechte Meinung zum Sachverhalt des Rückkaufs zu bilden?

Reichte Ihnen die Zeit von der Bekanntgabe der „Dringlichen Beschlussempfehlung“ (Drucksache 17/0581) durch den Hauptausschuss am 24. Okt. 2012, die ja nicht in der ursprünglichen Tagesordnung des Plenums (datiert mit dem 17. Okt. 2012) enthalten war, bis zur Stimmabgabe am 25. Okt. 2012 aus, um eine sachlich und politisch fundierte Entscheidung zu treffen?

Bleiben bei Ihnen Restzweifel über die Richtigkeit Ihrer Entscheidung?

Über eine Antwort auf diesen Offenen Brief würden wir uns im Sinne einer Verbesserung der demokratischen Verhältnisse im Land Berlin sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Rebel                                                      Stefan Richter
(Pressesprecher Berliner Wassertisch)                     (Geschäftsführer GRÜNE LIGA Berlin e.V.)

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Der nächste große Energiestreit

Zeit-online
Dezember 2012

FRACKING
Der nächste große Energiestreit

Deutschlands Energiekonzerne wittern ein Millionengeschäft: Erdgasförderung mit Fracking. Die Umweltfolgen sind umstritten, die Regierung bleibt tatenlos.

Heilwasserquellen und Erdgasförderung mithilfe von Chemie – dass das zwei unvereinbare Dinge sind, musste kürzlich der Energiekonzern Exxon Mobil einsehen. Eigentlich wollte das Unternehmen im Osnabrücker Land Erdgas fördern, ausgerechnet in der Nähe zweier Heilwasserquellen, ausgerechnet mit der umstrittenen Methode des Fracking. Doch die Bevölkerung lief Sturm. Nun wird der Konzern die beiden Förderprojekte nicht weiterverfolgen. Die Bohrlöcher werden zugeschüttet, die Bohrtürme abgebaut. Der Traum vom schnellen Geld ist ausgeträumt. Zumindest vorerst.

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Schwarz-Rot in Berlin feiert eigenen Scherbenhaufen

Berliner Umschau
28.11.2012

Schwarz-Rot in Berlin feiert eigenen Scherbenhaufen
Von Martin Müller-Mertens

Einen Moment lang wirkte Innensenator Frank Henkel auf der Senatspressekonferenz am Dienstag, als würde er puterrot anlaufen. Da hatte Klaus Wowereit bereits eine knappe Viertelstunde die Erfolgsbilanz aus einem Jahr schwarz-roter Koalition doziert. Zwar waren es nicht Koch und Kellner, die hier auftraten, aber viel fehlte nicht. „Hier geht niemand gebeugt, hier muß sich auch niemand gegenseitig stützen“, beschwor Henkel, der beiden Partnern „Nehmerqualitäten“ bescheinigte. Wowereit fuhr dazwischen: „Wir können auch austeilen“.

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Arzneimittel im Trinkwasser: Ozon soll das Gift herausfiltern

Berliner Kurier
27.11.2012

Entgiftung
Arzneimittel im Trinkwasser: Ozon soll das Gift herausfiltern

Berlin – Rückstände von Pillen und Hormonen belasten unser Trinkwasser. Im Kampf gegen mögliche Gefahren ziehen die Berliner Wasserbetriebe und die TU Berlin jetzt an einem Strang. Sie wollen Leitungswasser und Gewässer mit Ozon und Aktiv-Kohle noch sauberer machen. Damit Reste von Antibiotika & Co. kein Unheil anrichten. Denn: Der Arzneimittel-Verbrauch steigt.

Gerade in Metropolen wie Berlin hinterlassen die Menschen ihre Spuren in der Natur. Arzneien von Schmerzmitteln bis zur Anti-Baby-Pille geraten über die menschlichen Ausscheidungen ins Wassersystem.
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Naturschützer wollen München den Hahn zudrehen

Die Welt
25.11.2012

Streit ums Wasser
Naturschützer wollen München den Hahn zudrehen
Von Stephanie Geiger

Seit 30 Jahren kommt der Großteil des Münchner Trinkwassers aus dem Loisachtal bei Garmisch-Partenkirchen. Jetzt wollen nicht nur Naturschützer den Hahn zudrehen. Gefahr droht auch aus Brüssel.

Für Andreas Keller ist die Sache klar: „Die Münchner brauchen unser Wasser nicht“, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Garmisch-Partenkirchen.

Seit 1984 holen die Münchner einen Teil ihres Wassers aus dem Loisachtal. Schon damals war dies höchst umstritten – von „Mord an unserer Heimat“ war die Rede, Bauhütten gingen in Flammen auf, und Brunnenunternehmer ließen die Pumpwerke mit Schäferhunden bewachen. Wenn es ums Wasser geht, dann wird mit harten Bandagen gerungen.
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