Vana/Reimon: EP-Präsident Schulz würgt CETA-Debatte im Parlament ab

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CETA-Kritische Ausschüsse werden zum Schweigen gebracht

[18.11.2016] Zwei Wochen nach Unterzeichnung des Freihandelsabkommens CETA hat die große Koalition aus SozialdemokratInnen und Konservativen keinerlei Interesse an Diskussion und will CETA in Rekordgeschwindigkeit durch das Europäische Parlament peitschen. Unter den Abgeordneten macht sich Unruhe breit: Der sozialdemokratisch geführte Sozialausschuss wollte die Ablehnung von CETA empfehlen. EP-Präsident Martin Schulz entzog ihm daraufhin kurzerhand das Recht auf eine Stellungnahme.

Monika Vana, Europaabgeordnete der Grünen und Mitglied im Sozialausschuss: „Es ist ein unfassbarer Skandal, dass ein sozialdemokratischer Parlamentspräsident die Kritik an CETA brutal abwürgt. Mit diesem Vorgehen nimmt der S&D-Politiker gemeinsam mit der EPP dem Parlament die Chance, CETA in seinen sozialen Auswirkungen und aus Sicht der ArbeitnehmerInnen zu diskutieren.“

Michel Reimon, Europaabgeordneter der Grünen: „Das Parlament dürfte ein halbes Jahr über CETA debattieren, stattdessen will Schulz es in 23 Tagen durchpeitschen und kritische Stimmen auf Linie prügeln. Die Große Koalition hat Angst, dass sich ihre eigenen Abgeordneten gegen CETA stellen, wenn sie sich nur lang genug damit beschäftigen – in der Wallonie haben sich schließlich nach 18 Monaten Auseinandersetzung mit CETA sogar Konservative entschieden dagegen ausgesprochen.“

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Ähnlich der Kommentar von Greenpeace Österreich:

Greenpeace e.V.

Greenpeace: Skandalöser Maulkorb für CETA-kritische EU-Abgeordnete
Ehrliche Debatte über Handelsabkommen im EU-Parlament darf nicht abgewürgt werden.

Presseaussendungen – 18 November, 2016

Brüssel/Wien – Greenpeace kritisiert scharf, dass eine seriöse und kritische Debatte zu CETA im Europäischen Parlament abgewürgt wird. Die Konferenz der Präsidenten des Europäischen Parlaments hat gestern entschieden, dass der Umwelt- und der Sozialausschuss des Parlaments keine formelle Stellungnahme zu CETA mehr einbringen dürfen, bevor im Plenum die finale Abstimmung über CETA stattfindet.

„Es ist skandalös, wie hier versucht wird, jegliche kritische inhaltliche Auseinandersetzung der EU-Abgeordneten mit CETA abzuwürgen“, so Hanna Simons, Sprecherin von Greenpeace in Österreich. „Den Fachausschüssen die Möglichkeit zur Stellungnahme zu entziehen widerspricht der üblichen Praxis.“ Offensichtlich gehe es darum, CETA um jeden Preis durchzupeitschen: Der Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten hatte nämlich erwogen, in einer Stellungnahme die Ablehnung von CETA zu empfehlen, und auch der Umweltausschuss ist grundsätzlich kritisch. Anstatt sich den zugrunde liegenden Argumenten in einem offenen Diskussionsprozess zu stellen, werde die Kritik nun einfach kurzerhand unterdrückt. […]

Zur Pressemitteilung

Bürgerinitiative Saubere Umwelt & Energie Altmark: „Engie (ehemals GDF SUEZ) vertuscht Austritt giftiger Stoffe“

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Bürgerinitiative Saubere Umwelt und Energie Altmark

Pressemitteilung vom 18.11.2016

Nach Berichten von Anwohnern soll vor ca. zweieinhalb Monaten direkt nördlich von Pretzier, ca. 20 m hinter dem Bahnübergang direkt neben der Strasse nach Riebau „etwas aus der Erde heraus geblubbert sein“. „Danach sind Bagger und LKW gekommen, Spüllanzen kamen zum Einsatz und haben Wasser abgepumpt, Boden wurde abgefahren“.

Weitere Nachforschungen der Bürgerinitiative Saubere Umwelt und Energie Altmark ergaben, dass es sich um die Leckage einer Rohgasleitung (zum Transport von Rohgas inklusive Lagerstättenwasser) gehandelt hatte. Das altmärkische Roh-Erdgas und Lagerstättenwasser enthält üblicherweise außer Schwermetallen wie Quecksilber, Blei, Lithium, giftigen Kohlenwasserstoffen, wassergefährdenden Stoffe und Luftschadstoffen auch die krebsauslösenden Radionuklide wie Radium 226 (alpha-Strahler), Radon 222 (radioaktives Edelgas) u.a.. Wir gehen davon, dass all diese Stoffe in den Boden, das Grundwasser und in die Luft gelangt sind.

Der Erdgas-Konzern Engie ist gesetzlich verpflichtet, derartige Havarien den Behörden zu melden. Der Altmarkkreis Salzwedel wurde jedoch nicht informiert. Ebenso wenig wurden die Anwohner in Pretzier gewarnt, deren Wohnhäuser bereits in einer Entfernung von ca. 120 Metern stehen.

Seitdem Anwohner und Mitglieder der Bürgerinitiative die Tätigkeiten von Engie intensiver verfolgen, werden immer mehr Umweltskandale und Schlampereien von Engie bekannt, radioaktive Abwässer sickern in Brüchau in das Grundwasser, radioaktiv verstrahlte Rohre lagerten ungesichert bei Siedentramm sowie zwischen Groß Wieblitz und Tylsen, die Erdgasfördersonde Salzwedel 112 zwischen Seebenau und Luckau wurde wieder in Betrieb genommen ohne vorschriftsmäßige Einzäunung. Zumindest in 12 verfüllten Erdgassonden hat Engie im Zeitraum 1997 bis 2008 schwermetallhaltige und radioaktive Abfälle verklappt, teilweise nur in 700 m Tiefe. „Engie stellt ihre wirtschaftlichen Interessen über Gesundheits- und Umweltschutz“, sagt Wasserwirtschaftsingenieur Bernd Ebeling.

„Dieses Verhalten von Engie ist verantwortungslos und inaktzeptabel. Die Bürgerinitiative Saubere Umwelt und Energie Altmark fordert das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) des Landes-Sachsen-Anhalt auf, Engie die Betriebserlaubnis für die altmärkischen Erdgasfelder zu entziehen, fasst BI-Sprecher Dr. Christfried Lenz zusammen.

Wir rufen die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf! Achten Sie auf Aktivitäten des Gasförderunternehmens Engie! Verlangen Sie Auskünfte! Informieren Sie den Landkreis (Tel. 03901/840-0), die Bürgerinitiative (kein-co2-endlager-altmark.lenz@gmx.de) oder die Polizei. – Aufgrund etlicher Erfahrungen muss man davon ausgehen, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen nicht immer nachkommt.

Ansprechpartner für Rückfragen:
Dr. Christfried Lenz, Tel. 039001 90754
Dipl.-Ing (FH) Bernd Ebeling, Mob. 0171 5011762

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Wir müssen die Globalisierung überdenken oder der Trumpismus wird überhand nehmen

theguardian.com
16.11.2016

US elections 2016
We must rethink globalization, or Trumpism will prevail
Wir müssen die Globalisierung überdenken oder der Trumpismus wird überhand nehmen
von Thomas Piketty

Industriedenkmal

Foto: Thomas Max Müller | pixelio.de

Für diesen Überraschungserfolg bei der US-Wahl ist hauptsächlich die zunehmende Ungleichheit verantwortlich.

Sagen wir es gerade heraus: Trumps Sieg ist in erster Linie auf die über mehrere Jahrzehnte angestaute Explosion von ökonomischer und geografischer Ungleichheit innerhalb der Vereinigten Staaten zurückzuführen und auf die Unfähigkeit aufeinanderfolgender Regierungen, sich darum zu kümmern.
Übersetzung: Berliner Wassertisch

zum vollständigen Artikel in englischer Sprache hier

weitere Inhalte des Artikels: In seiner Analyse über die Präsidentschaftswahl in den USA stellt Piketty weiterhin fest, dass die bisherige Ungleichheit den Sieg Trumps nicht nur erst ermöglicht habe, sondern dass Trump diesen Trend zu Ungleichheit auch noch weiter verstärken wolle. Dessen Pläne, die Besteuerung der Unternehmensgewinne von bisher 35 auf 15 Prozent herunterzuschrauben, gehe in diese Richtung.

Die wichtigste Lehre für Europa und die Welt liege auf der Hand: die Globalisierung müsse dringend und fundamental neu ausgerichtet werden. Die größten Herausforderungen unserer Zeit seien aber die wachsende Ungleichheit und die globale Erwärmung. Deshalb schlägt Piketty vor, internationale Abkommen zu schaffen, die uns in die Lage versetzen, eine Antwort auf diese Herausforderungen zu finden und uns ermöglichen, ein Modell für eine faire und nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

Abkommen eines neuen Typs sollten seiner Meinung nach Regeln beinhalten, die darauf abzielen müssten, den Austausch über die oben genannten Themen von Ungleichheit und globaler Erwärmung zu fördern. Handelsliberalisierungen dürften dagegen nicht länger im Mittelpunkt stehen. Handel müsse wieder zu einem Mittel werden, das höherwertigen Zielen diene.

Auch zu den gegenwärtigen Handelsabkommen äußert sich Piketty. Man dürfe keine Abkommen mehr schließen, die nur zum Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen etwas sagten. In solchen Abkommen müssten quantifizierte und bindende Regeln zur Bekämpfung von Steuer- und Klima-Dumping stehen. Zum Beispiel könne man allgemeine Untergrenzen für Unternehmenssteuern und Obergrenzen für Kohlenstoff-Emissionen festlegen und Verletzungen sanktionieren. Es dürfe aber keine Verhandlungen für Handelsabkommen mehr geben, in denen es nicht auch um solche Verpflichtungen gehe. Auch CETA müsse daher abgelehnt werden. Es sei ein Abkommen, das in ein anderes – vergangenes – Zeitalter gehöre. Weiterlesen

Neuerscheinung 2016: Tim Engartner: Staat im Ausverkauf. Privatisierung in Deutschland

Fairantwortung
18.11.2016

Tim Engartner im Interview bei campus.de über sein Buch »Staat im Ausverkauf«, das sich an all jene richtet, denen die »Verbetriebswirtschaftlichung« der öffentlichen Daseinsvorsorge Bauch- und Kopfschmerzen bereitet.

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Buchtitel: Tim Engartner: Staat im Ausverkauf. Privatisierung in Deutschland. Frankfurt am Main u. New York. 2016.

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Über das Buch: „Marode Schulen und Krankenhäuser, explodierende Mieten in städtischen Zentren, steigende Preise für Wasser, Gas und Strom, geschlossene Filialen der Deutschen Post, „Verzögerungen im Betriebsablauf“ bei der Deutschen Bahn – dies alles geht auch auf den großen Ausverkauf der öffentlichen Hand zurück, der in Deutschland während der Kanzlerschaft Helmut Kohls einsetzte. In der Überzeugung, dass Privatisierungen Dienstleistungen besser, billiger und bürgernäher machen, schüttelt „Vater Staat“ bis heute immer mehr Aufgaben ab – wie ein Baum seine Blätter im Herbst. Anhand besonders eindrücklicher Beispiele analysiert Tim Engartner in sieben Kapiteln – Bildung, Verkehr, Militär, Post und Telekommunikation, soziale Sicherung, Gesundheit und kommunale Versorgung – die Privatisierungen in Deutschland und ordnet sie in internationale Zusammenhänge ein. Sein Weckruf zeigt: Diese Politik, die von allen regierenden Parteien betrieben wurde und immer noch wird, ist nicht alternativlos.“ (Campusverlag)

* Tim Engartner ist Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er veröffentlicht regelmäßig Artikel in Tages- und Wochenzeitungen (Zeit, FAZ, FR, taz, Freitag, SZ).

CETA – Goldstandard für Konzerne

ClientEarth

 

CETA und die Umwelt – Ein Goldstandard für den Planeten oder für Konzerne?

„Ab 2008 wurde CETA unter absoluter Geheimhaltung ausgehandelt. Das Verhandlungsmandat, Textvorschläge, konsolidierte Texte und Treffen wurden unter einem Schleier von undemokratischen Praktiken durchgeführt. Dies hat die Legitimität des Abkommens in den Köpfen der europäischen und kanadischen Bürger grundlegend untergraben.

Daher überrascht es, wenn CETA als eines der fortschrittlichsten Handelsabkommen dargestellt wird, das jemals ausgehandelt wurde. Die Studie belegt, dass CETA nicht die Menschen und die Umwelt ins Zentrum der Überlegungen stellt, sondern die wirtschaftlichen Interessen.“ (Übersetzung: Berliner Wassertisch)

Zur Studie in englischer Sprache (pdf)

ClientEarth: CETA’s environment promises are little more than hot air – new analysis. 18.11.2016.

ClientEarth: Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) and the environment A gold standard for the planet or for big business? 18.11.2016.

 

Volker Bajus: Wir Grüne würden Fracking gerne komplett verbieten

Antwort von Volker Bajus, MdL BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Niedersachsen auf den Offenen Brief von Gegen Gasbohren: „Kein SPD-Fracking in Niedersachsen dulden“ vom 9. Oktober 2016:

18.11.2016

Sehr geehrte Frau Dr. med. Entrup-Henemann,

sehr geehrte Damen und Herren der unterzeichnenden Bürgerinitiativen,

vielen Dank für Ihr Schreiben in Sachen Fracking. Ich darf Ihnen im Namen meiner FraktionskollegInnen als umweltpolitischer Sprecher antworten.

Auch wir sehen das neue Frackinggesetz des Bundes als leider nur lückenhaften Fortschritt.  So erlaubt das Gesetz weiter Bohrvorhaben im Schiefergestein, also „unkonventionelles Fracking“. Da der Bund die Entscheidung, ob ein Einstieg in die Schiefergasförderung stattfinden kann, den Ländern überlässt, haben wir eine gute Möglichkeit, dieses zu verhindern. Diese Möglichkeit nutzen wir. Die rot-grüne Mehrheit im Landtag hat bereits im Juli 2015 beschlossen, keine Schiefergasförderung zuzulassen. Nicht nur aus Gründen der Risikovorsorge, sondern auch aus Klimaschutzgründen sind diese fossilen Rohstoffe in der Erde zu belassen.

Wir Grüne sehen auch das Fracking im Sandstein, im Tight Gas, kritisch und hätten es gerne unterstützt, wenn der Bundesgesetzgeber auch dieses unterbindet. Unsere Bundestagsfraktion hatte eine entsprechende Gesetzesvorlage in den Bundestag eingebracht. Leider ist der Bundestag dem nicht gefolgt.

Eine Hoheit des Landes, Frackvorhaben ausnahmslos zu untersagen, sieht das Gesetz nicht vor. Eine Entscheidungsbefugnis des Landes dazu gibt es nicht. Sofern der Antragsteller alle Bedingungen erfüllt und eine UVP ergibt, dass eine Gefährdungslage von Mensch und Umwelt nicht gegeben ist, hat der Antragsteller weiterhin einen Anspruch auf Genehmigung.

Allerdings verlangt das Gesetz nunmehr erhebliche Auflagen und Schutzvorkehrungen und eine UVP-Pflicht. Zudem können nun wasserrechtlichen Versagensgründen besser Geltung verschafft werden, es gibt Ausschlussgebiete zum Trinkwasserschutz und es muss das Benehmen mit der unteren Wasserbehörde des jeweiligen Landkreises hergestellt werden. Die Spielräume, die das Gesetz damit zum Schutz von Mensch und Umwelt gibt, werden wir in Niedersachsen maximal nutzen.

Auch mit Blick auf die ungeklärten Krebsfälle in den Landkreisen Rotenburg und Nienburg, bei denen ein Zusammenhang mit der Erdöl- und Erdgasförderung nahe liegt, wäre ein weiteres freiwilliges Moratorium durch die Förderindustrie sinnvoll. Ich würde mich daher freuen, wenn Sie Ihren Appell auch an diese richten, denn nur die Industrie selbst kann ein solches Moratorium durchführen.

Zusammengefasst:

Wir Grüne würden Fracking gerne komplett verbieten. Das kann nur der Bund. Ohne absolute Mehrheit dort bleibt uns nur der Einfluss über die Länder. In Niedersachsen haben wir im Kompromiss mit der SPD einen vernünftigen Weg gefunden. So wird es mit uns keinen Einstieg in die Schiefergasförderung samt massivem Fracking geben. Die bestehende „konventionelle“ Förderung machen wir so sicher wie möglich.

Auch wenn das Gesetz noch Lücken enthält, haben wir jetzt erstmals die Möglichkeit, die konventionelle Erdgas- und Erdölförderung streng zu regulieren und Schiefergasfracking zu verbieten. Vorher gab es für den Umgang mit Lagerstättenwasser und Erdbebenschäden nur unzureichende Gesetzesvorgaben.

Zum Schutz des Klimas müssen wir schrittweise und schnellstmöglich raus der Nutzung der fossilen Energieträger und eine Versorgung mit 100% erneuerbaren Energien erreichen.

Beste Grüße

Volker Bajus

——————–

Volker Bajus, MdL
Sprecher für Umwelt-, Energie- und Kulturpolitik
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Niedersachsen Hannah-Arendt-Platz 1
30159 Hannover
Telefon: 0511/3030-3316
Mail: volker.bajus@lt.niedersachsen.de
Web: www.volker-bajus.de

Patrick Breyer: Warum blockieren SPD, Grüne und SSW ein Fracking-Verbot für Schleswig-Holstein?

Patrickbreyer Breyer MdL

18.11.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Unternehmen Central Anglia hat die Anträge für die Erlaubnisfelder Leezen (umfasst Plön, Bad Segeberg und Bad Oldesloe) und Eckernförde und für das Bewilligungsfeld Waabs zurückgenommen. Dort sollte nach Öl gesucht bzw. Öl gefördert werden.

Mein Kommentar als Abgeordneter der PIRATEN im Landtag:

„Dieser überfällige Schritt ist ein großer Erfolg für den zivilgesellschaftlichen und politischen Widerstand gegen riskante Bohrpläne im Land. Doch die Dea hält stur an ihren Plänen zur Bohrung in Ost- und Nordsee fest. Und Umweltminister Robert Habeck handelt nur halbherzig:

Warum werden die Bohrpläne der DEA im Wattenmeer nicht gestoppt, sondern verschleppt?

Und warum blockieren SPD, Grüne und SSW eine vollständige Offenlegung der Antragsunterlagen und ein Fracking-Verbot für Schleswig-Holstein?

Es können jederzeit neue Anträge gestellt werden. Bei der Erdölförderung in Schleswig-Holstein hat es schon 100 gemeldete Unfälle gegeben; die Altlasten sind bis heute ungeklärt. Wenn der grüne Umweltminister Habeck trotzdem von ‚vergleichsweise umweltverträglichen Formen der Erdölförderung‘ spricht und die grüne Finanzministerin Heinold weiter mitverdienen will, ist das unverantwortlich für Umwelt und Wasser.“

Hintergrund: Der DEA ist die Ölförderung im Wattenmeer und in Schwedeneck bereits genehmigt worden. Weitere Lizenzanträge liegen vor. Die PIRATEN enthüllten erst vor wenigen Wochen, dass über das gesamte Land ehemalige Bohrschlammgruben verstreut sind. Auch nach Jahren kann eine Gefahr für unser Wasser nicht ausgeschlossen werden.

Mit freundlichem Gruß
Patrick Breyer MdL

Vgl. auch Patrick Breyer: Zum Gesetz zum Schutz des Nationalparks Wattenmeer vor Ölbohrungen. 17.11.2016

* Der Jurist Dr. Patrick Breyer wurde am 6. Mai 2012 zum Abgeordneten der Piratenpartei im Schleswig-Holsteinischen Landtag gewählt und ist dort Fraktionsvorsitzender, Mitglied im Richterwahlausschuss sowie im Innen- und Rechtsausschuss.

Website von Dr. Patrick Breyer

Große Mehrheit. Bundesbürger sind gegen Autobahn-Privatisierung

SPIEGEL ONLINE

18.11.2016
Umfrage. Bundesbürger lehnen Autobahn-Privatisierung ab
Mit seiner Idee, die Autobahnen zu privatisieren, stößt Bundesfinanzminister Schäuble auf breiten Widerstand. Nicht nur die Länder sind dagegen, sondern auch eine Mehrheit der Bürger.
Zum Artikel

Die Spiegel-Umfrage: Autobahnen privatisieren? Finanzminister Schäuble will die Autobahnen zum Teil privatisieren. Wie finden Sie das? ergab bei einer Gesamtbeteiliung von 113.231: Nur 7,8% sind für eine Privatisierung. Sie erhoffen sich, dass marode Straßen künftig sicher schneller repariert werden. Und 86,3% lehnen die Privatisierung ab, weil sie zu recht meinen, dass dies für Autofahrer sicher teuer wird. (Stand: 18.11.2016, 23:09)

Der DGB hat dazu eine klare Meinung: Investieren statt privatisieren.

Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist marode, Straßen mit Schlaglöchern allgegenwärtig, jede zweite Brücke inzwischen unbefahrbar. Die Lösung heißt aber nicht Privatisierung. Der DGB-klartext.

Handelsblatt

18.11.2016
Große Mehrheit. Bundesbürger gegen Autobahn-Privatisierung
Autobahnen in privater Hand? Nein danke! Die Mehrheit der Deutschen will, dass sich der Bund weiter um die mehrspurigen Fernstraßen kümmert – und keine Investoren. Das geht aus der Umfrage des ARD-Morgenmagazins hervor.

Zum Artikel

Artikel zum Thema Privatisierung der Autobahnen:

Kirbach, Roland: Kommunen. Schön gerechnet. In: Zeitonline. 4. November 2012.

Kirbach, Roland: Privatisierte Autobahnen. Deutschlands gefährlichste Straße . In: Zeitonline. 19. Juli 2010.

Salewski, Christian: Gabriel und die Autobahn. In:  ARD, 16.11.2016.

Salewski, Christian, Nils Naber u. Johannes Edelhoff: Privatisierung: Die zweifelhafte Rolle der Gutachter. In: NDR, 04.04.2013.

Salewski, Christian: Cash oder Crash. Autobahnen. In: Capital 10/2009, S. 49–50.

Salewski, Christian: Staatsaufträge. Die Selbstbediener. Bei Public-Private Partnerships verdienen Konzerne, Banken und Berater das große Geld. Gemeinsam mit der öffentlichen Hand haben sie ein intransparentes System geschaffen, von dem vor allem sie selbst profitieren – zulasten von Mittelstand und Steuerzahlern. In: Impulse. Feb. 2012. S. 16–25).

Salewski, Christian: Sie nennen es Mitgift. In: Financial Times Deutschland. Dienstag, 22. Mai 2012, S. 23–24.

Schlieter, Kai: Der Autobahn-Klau. In: taz, 5. 1. 2013.

TTIP-Ersatz für die Pharmaindustrie

Correctiv.org
17. November 2016

TTIP-Ersatz für die Pharmaindustrie
von Justus von Daniels und Marta Orosz

Seit der US-Wahl liegt das transatlantische Handelsabkommen TTIP auf Eis. Die Verhandler wollen für die Pharmabranche bereits erreichte Verhandlungsergebnisse retten und ein Spezialabkommen schliessen. Dieser Plan liegt CORRECTIV exklusiv vor.

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Slowenien verankert das Menschenrecht Wasser in seiner Verfassung

(Berlin, 18.11.2016) Dank des jahrelangen Kampfes von Wasseraktivisten hat SWaterRight_bg Thanks SMALLlowenien am 17. November 2016 das Menschenrecht Wasser in seiner Verfassung verankert. Zentrale Punkte sind hier: Wasser ist keine Ware – d.h. die Wasserversorgung darf nicht privatisiert werden. Das schließt auch PPP-Projekte ein.

In Artikel 70 a der slowenischen Verfassung wurde aufgenommen: Recht auf sauberes Trinkwasser / pravica do pitne vode

Jeder hat das Recht auf Trinkwasser.

Wasser ist eine öffentliche Ressource, die vom Staat verwaltet wird.
Die Wasserressourcen dienen in erster Linie der nachhaltigen Versorgung mit Trinkwasser und Wasser für die Haushalte. Wasser darf nicht als Ware behandelt werden.
Die Wasserversorgung wird direkt durch Gemeinden vor Ort gemeinnützig gewährleistet.(Übersetzung: Berliner Wassertisch; vgl. Orginaltext)

Der Berliner Wassertisch gratuliert den slownischen Aktivisten zu ihrem großen Erfolg. Dieser Sieg ist ein weiterer Beleg, dass sich der mühevolle Einsatz für #right2water lohnt. Es wäre wünschenswert, dass weitere Länder diesem Beispiel folgen und das Menschenrecht Wasser in ihre Verfassung aufnehmen, um es zu sichern. Denn der Kampf ums Wasser wird auf vielen Ebenen fortgesetzt. Zu denken ist an TTIP-CETA-TiSA. Auch die Dienstleistungskonzessionsrichtlinie kommt irgendwann wieder auf die Tagesordnung. Die Konzerne geben nicht nach.

Zum Hintergrund:

Brane Golubović: Slovenia adds water to constitution as fundamental right for all. 17.11.2016. „The right to drinking water was written down into the Constitution today, after I have been trying to achieve this for three and a half years, from May 2013 and with Civil initiative For Slovenia and freedom one year, from November 2015. […]“

Artikel dazu:

European Public Service Union – Food & Water Europe – European Water Movement: Trade Unions and Civil Society Welcome the Introduction of the Human Right to Water into the Constitution of Slovenia. 18.11.2016.

Epoch Times: Slowenien: Trinkwasser ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht. 18.11.2016

Guardian: Slovenia adds water to constitution as fundamental right for all. 18.11.2016.

Facebookseite der Wasseraktivisten: https://www.facebook.com/ZAsLOVEnijoinsVOboDO/

Der große CETA-Betrug

Corporate Europe Observatory (CEO)
11/2016

ISSUE BRIEF
The great CETA swindle
Der große CETA Betrug

ceta-stopWegen der rasch kommenden Abstimmung über das EU-Kanada Handelsabkommen CETA im Europäischen Parlament und der dann möglichen Auseinandersetzungen über seine Ratifizierung in den EU Mitgliedstaaten steht CETA weiterhin heftig in der Kritik. Ein näherer Blick auf den Text des Abkommens – und auf die letzten Erklärungen, die entworfen wurden, um Kritiker zu besänftigen und um Unterstützung für seine Ratifizierung zu erreichen – zeigt, dass Befürchtungen zu CETA wohlbegründet sind. Unbeschadet der Versuche der kanadischen Regierung und der EU-Kommission, das Abkommen als fortschrittlich zu verkaufen, bleibt CETA das, was es immer war: ein Angriff auf Demokratie, Arbeitnehmer und Umwelt. Es wäre ein großer Fehler, es zu ratifizieren.

Diese Ausarbeitung widerlegt sechs Behauptungen der CETA Befürworter, die als Propaganda ständig wiederholt werden und den Diskurs bestimmen sollen, obwohl man sie als reine PR bezeichnen muss. Entgegen diesen PR-Behauptungen muss festgehalten werden:

  1. CETA schützt die Rechte von Arbeitnehmern leider nicht, wie behauptet.
  2. CETA ist kein gutes Abkommen für die Umwelt.
  3. Die mit CETA geschaffenen Rechte von Investoren lassen das Recht demokratischer Institutionen auf Regulierung (also Gesetze und Verordnungen zu erlassen) nicht unberührt und werden Umwelt, Gesundheit und andere öffentlicher Interessen nicht unangetastet lassen.
  4. CETA schützt öffentliche Dienste wie Gesundheitsversorgung und Wasser nicht wirklich.
  5. CETA errichtet zur Streitschlichtung zwischen Investoren und Staaten keinen unabhängigen Gerichtshof.
  6. CETA wird bestehende Standards, die Menschen und Umwelt schützen, nicht aufrechterhalten.

zur Ausarbeitung (in englischer Sprache)

 

Bundesregierung will Fracking-Forschung mit 4,75 Mio. Euro subventionieren

Hubertus Zdebel (DIE LINKE): Keine Haushaltsmittel für die Fracking-Kommission!
DIE LINKE

 

„Letztes Jahr wollte die Bundesregierung die Fracking-Forschung mit vier Millionen Euro subventionieren. Jetzt sind es im Haushalt gut versteckte 4,75 Millionen, wie die Bundesregierung auf meine Anfrage zugeben musste. Darunter sind auch Mittel für die überwiegend mit frackingfreundlichen Mitgliedern besetzten Expertenkommission“, kritisiert der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE), Obmann seiner Fraktion im Umweltausschuss. „Dies ist eine skandalöse, indirekte Subventionierung der Konzerne. Das wollen wir unterbinden und haben einen Antrag auf Streichung der Mittel gestellt.“

Zdebel weiter: „Die CDU/CSU-SPD- Bundesregierung will Fracking im Schiefer- und Kohleflözgestein vorantreiben. Dazu hat sie die Einrichtung einer sogenannten ‚Expertenkommission‘ beschlossen, die Fracking-Forschungsprojekte begleiten und den Boden für Fracking in allen Gesteinsschichten bereiten soll. Schon jetzt ist klar, dass diese Kommission überwiegend mit frackingfreundlichen Mitgliedern besetzt sein wird. Für die Einrichtung und den Geschäftsbetrieb einer Geschäftsstelle dieser Expertenkommission sind im Entwurf des Haushaltsplans Gelder in Höhe von 250.000 Euro für das Jahr 2017 vorgesehen. Ich spreche mich klar gegen die Finanzierung dieser Fracking-Kommission aus Haushaltsmitteln des Bundes aus. Diese Kommission darf keinen Euro aus Steuermitteln erhalten.

Für einen wissenschaftliche Begleitprozesses im Rahmen eines Forschungsplans werden im Entwurf des Haushaltsplans für das Jahr 2017 Gelder in Höhe von 4 Millionen Euro eingeplant. Diese Gelder werden jährlich aufgewendet. Dies ist eine skandalöse, indirekte Subventionierung der Konzerne.

Für den jeweiligen Dialogprozess von Fracking-Vorhaben vor Ort werden Gelder in Höhe von etwa 500.000 Euro eingeplant. Da absehbar ist, dass diese Gelder für die Akzeptanzschaffung für Fracking eingesetzt werden, werden hier Projekte finanziert, von denen lediglich die Energiekonzerne profitieren, an denen aber kein volkswirtschaftliches und energiepolitisches Interesse besteht. Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, dies zu finanzieren. Fracking ist eine teure und unbeherrschbare Risikotechnik und muss ohne Ausnahmen verboten werden.“

Die Information der Bundesregierung vom 10.10.2016 zur geplanten Subventionierung der Fracking-Forschung ist hier; der Antrag der Fraktion DIE LINKE ist dort zu finden.

TiSA: neue Studie zum drohenden Abkommen

Internationaler Gewerkschaftsbund
20.10.2016

Alles über TiSA: Wissenswertes zum Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen

TiSA zielt darauf ab, den internationalen Handel mit Dienstleistungen zu liberalisieren und verbindliche internationale Regeln für die Regulierung der Dienstleistungen seitens der beteiligten Länder festzulegen.

TiSA-Auswirkungen

 TiSA: Schlechte Nachrichten für Gemeinwesen und Arbeitnehmer

Der unlängst erschienene Report offenbart die immense Bedeutung dieses Abkommens. Ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen – geplant schon für den Dezember 2016 – würde sich höchstwahrscheinlich auf folgende Bereiche auswirken:
Transport- und Energieleistungen, Einzelhandel, elektronischer Handel, Expresszustelldienste, Telekommunikation, Bankleistungen, Leistungen im Gesundheits- und im privaten Bildungswesen und mehr. Dienstleistungen machen in den meisten Ländern den Großteil der Wirtschaftstätigkeiten aus und wirken sich praktisch auf sämtliche Aspekte des Lebens und der Gesellschaft aus.

zum Report „Alles über TiSA“ hier