Weltwassertag am 22.03.2017: Abwasser – In Kreisläufen denken und handeln

Forum Umwelt und Entwicklung: Umwelt- und Entwicklungsorganisationen zum diesjährigen Thema des Weltwassertages am 22.03.2017 „Wastewater – Abwasser“

Weltwassertag am 22.03.2017: Abwasser – In Kreisläufen denken und handeln

Berlin, 21.03.2017

Das Thema des Weltwassertages 2017 lautet „Wastewater – Abwasser“. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen sowie Vertreter der öffentlichen Wasserwirtschaft, die sich im Forum Umwelt und Entwicklung vernetzt haben, betonen: Für einen nachhaltigen Umgang mit Abwasser muss der gesamte natürliche Wasserkreislauf einschließlich der sozialen und ökologischen Aspekte berücksichtigt werden.

Die einzelnen in Forum Umwelt & Entwicklung vernetzten Organisationen erklärten hierzu:

Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft e.V. – AöW –

Abwasser wird in Deutschland bereits zu fast hundert Prozent nach dem höchsten EU-Standard gereinigt und dies geschieht durch öffentliche Betriebe. Zum Teil wird die EU-Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser (91/271/EWG) noch übertroffen. Auf EU-Ebene wird nun zusätzlich an gesetzlichen Regelungen zur Wiederverwendung von Wasser („Water Reuse“) gearbeitet.

AöW-Geschäftsführerin Christa Hecht erklärt hierzu: „Es ist dabei bisher völlig unklar, ob das wiederverwendete Wasser als ,Ware‘ betrachtet wird oder als eine natürliche Ressource, die ja keine übliche Handelsware ist, wie es in der Wasserrahmenrichtlinie steht. Unter dem Gesichtspunkt von Hygiene, Gesundheit und Vorsorge ist eine differenzierte und ganzheitliche Betrachtung des Wasserkreislaufs angebracht. Lösungen, die lediglich auf zusätzliche technische Anforderungen an die Abwasserreinigung (End-of-Pipe Lösungen) abzielen, ohne zuvor das Vermeidungs- und Vorsorgeprinzip angewendet zu haben, lehnen wir entschieden ab“.

Wasserwiederverwendung hat in Regionen mit Wassermangel eine weit größere Bedeutung als in Regionen mit reichhaltigen Wasserressourcen. Deshalb ist auch eine unterschiedliche Betrachtung von Regelungen zum Water Reuse erforderlich.

GRÜNE LIGA

Ein Großteil der in unsere Gewässer gelangenden Nährstofffrachten stammt inzwischen nicht mehr aus den kommunalen Kläranlagen sondern aus der Landwirtschaft. Mit der neuen Düngegesetzgebung kann ein erster, zaghafter Baustein zur Verbesserung erreicht werden. „Wir unterstützen die von europäischen Umweltverbänden gestartete Kampagne ,LivingLand‘, die auf eine grundlegende Neuorientierung der europäischen Agrarpolitik abzielt,“ gibt Michael Bender für den Umweltverband GRÜNE LIGA e.V. bekannt. „Bis zum 2. Mai 2017 besteht für jeden Bürger die Möglichkeit, den von der EU-Kommission bereitgestellten Fragebogen zu beantworten. Auf www.living-land.de steht ein ausführlich kommentierter Antwortvorschlag für die EU-Konsultation zur Verfügung.“

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – BUND –

Nur wenn sich die politisch Verantwortlichen und die Wirtschaft zu ihrer Gesamtverantwortung bekennen und alle betroffenen Akteure (Verursacher und Stakeholder) gemeinsam im zeitlichen Gleichschritt und ernsthaft die Verantwortung für ihren jeweiligen Teilbereich übernehmen und entsprechend handeln, kann eine Mikroschadstoff-Strategie zum Erfolg führen. Das gemeinsame Ziel von Politik und Wasserwirtschaft muss eine signifikante Verringerung der Stoffeinträge und das Wiedererreichen des guten ökologischen Zustandes unserer Gewässer sein, um auch für die künftigen Generationen gesundes Trinkwasser zur Verfügung stellen zu können.

Berliner Wassertisch.info

Aus Abwasser können Phosphate, Energie und andere nützliche Ressourcen gewonnen werden. In Pestiziden enthaltene hormonwirksame Stoffe, auch endokrine Disruptoren (EDCs) genannt, können jedoch nicht herausgeholt werden. Sie vergiften selbst in extremer Verdünnung die Umwelt, führen u.a. zu Krebs und bedrohen die Fortpflanzungsfähigkeit.

30 Organisationen hatten die EDCs im Januar zum Anlass genommen, das EU Parlament aufzufordern, CETA abzulehnen. Kanada, die USA und andere Länder wollen das EU-Vorsorgeprinzip für die EDCs abschaffen, damit sie pestizid-kontaminierte Lebensmittel ohne Einschränkung in die EU exportieren können. Wolfgang Rebel vom Berliner Wassertisch fordert: „Im Umgang mit den endokrinen Disruptoren muss schnellstens ein Umdenken stattfinden. Diese Stoffe sind so gefährlich, dass sie erst gar nicht in den natürlichen Wasserkreislauf gelangen dürfen.“

WECF (Women in Europe for a Common Future)

Wir brauchen eine Abwasserkreislaufwirtschaft, Abwasser sollte reduziert und wiedergenutzt so weit möglich (Organik, Nährstoffe und Energie) und erst dann beseitigt werden. Das Agenda2030 Ziel SDG6 bezieht sich mit 2 Targets (6.2 und 6.3) auf das Thema Abwasser und ist ein wichtiges Querschnittsthema der nachhaltigen Entwicklung, im Besonderen mit den Zielen: Gesundheit (SDG 3), Frauen (SDG 5), Energie (SDG 7), nachhaltige Städte (SDG 11), Leben im Wasser und auf dem Land (SDG 14 und 15).

Weltfriedensdienst

Die Überlastung des Wasserkreislaufes in Deutschland beginnt schon mit dem Raubbau an Wasserreserven und Ökosystemen in Südamerika. Der Import von Sojabohnen aus Brasilien ebnet als billiges Eiweißfuttermittel einer Massentierhaltung in Deutschland den Weg, die nur mit massiven Medikamenteneinsatz produktiv sein kann und in der viele Tiere auf kleinem Raum mehr Gülle produzieren als die Böden aufnehmen können.

In der Brasilianischen Amazonasregion und auch in der im Süden angrenzenden Trockensavannah, dem Cerrado, wächst Soja auf einer Fläche sechs mal so groß wie die Ackerfläche Deutschlands. Ein Großteil dieser Anbaufläche wurde durch Abholzung von Regenwald und Buschlandschaft gewonnen, die als Einzugsgebiete zahlreicher Flüsse wichtig sind. Heute stehen im eigentlich Wasserreichsten Land der Erde Flüsse und Staudämme auf historischen Tiefstand. Auch die Grundwasser sacken bisweilen auf ein Niveau ab, das unterhalb des brasilianischen Notstandspegels liegt. Millionen Menschen, die dort seit Generationen ihr Auskommen hatten, fliehen in die Slumgebiete von über 300 brasilianischen Großstädten. Dort verschärfen sie neben sozialen Problemen auch die ohnehin prekäre Abwassersituation und Trinkwasserversorgung.

Die europäische Agrarpolitik muss auf eine nachhaltige Landwirtschaft umschwenken, die regionale und globale Wasserkreisläufe in ein Gleichgewicht bringt.

Der Weltfriedensdienst setzt sich gemeinsam mit seinen Partnern weltweit für das Recht auf Wasser und Nahrung und eine nachhaltige Ressourcennutzung ein.

Berliner Wassertisch.net

Ohne Wasser geht gar nichts. Für das Leben und Überleben auf der Erde ist die Bewahrung des natürlichen Wasserkreislaufs existentiell. Einen Zugang dazu eröffnet die internationale Initiative „Blue Community“ – eine Selbstverpflichtung einer Stadt, einer Dorfgemeinschaft, einer Universität oder anderen Einrichtung zur Umsetzung des Menschenrechts auf sauberes Wasser. Zum Weltwassertag 2017 wünscht sich der Berliner Wassertisch, dass sich Berlin auf den Weg in diese Richtung macht. Er freut sich, zu dem Thema die renommierte Wasseraktivistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Maude Barlow am 29. März im Berliner Abgeordnetenhaus zu treffen.

BORDA (Bremen Overseas Research and Development Association)

Die Behandlung und die Wiedernutzung menschlicher Fäkalien und Abwässer entsprechend dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft müssen in der deutschen und Europäischen Entwicklungszusammenarbeit konsequenter verankert werden.

„Why Waste Water“ – wie das konkret geht, zum Beispiel auch in dicht besiedelten Armutssiedlungen, zeigt eine Dokumentation aus Daressalam, der Hauptstadt Tansanias: https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-leben-im-abwasser-100.html

WASH-Netzwerk

Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene bleiben eine der größten globalen Herausforderungen. In den unterversorgten Regionen sowie in humanitären Krisen und Katastrophen weltweit trinken laut WHO/UNICEF 1,8 Milliarden Menschen fäkal verunreinigtes Wasser. Die Folgen sind dramatisch, denn laut WHO sterben jährlich ca. 2,2 Millionen Menschen an fäkal-oral übertragenen Durchfallerkrankungen.

Das WASH-Netzwerk, ein Zusammenschluss von 19 namhaften deutschen Nichtregierungsorganisationen, setzt sich im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe dafür ein, diesem Notstand ein Ende zu setzen. Zum diesjährigen Weltwassertag veranstalten die Mitglieder des Netzwerks Events in Berlin, Bremen, Kiel und München. Die Aktionen machen auf die globale Wasserkrise aufmerksam und sprechen sowohl die Presse, die Öffentlichkeit als auch die Politik an.

Weitere Informationen zur Aktionswoche des WASH-Netzwerks finden Sie auf der folgenden Webseite: http://www.washnet.de/aktivitaeten/weltwassertag-2017/

Pressekontakt:

Christa Hecht, Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft e.V. (AöW), Tel.: 030-397436-06, hecht@aoew.de
Michael Bender, GRÜNE LIGA e.V., Bundeskontaktstelle Wasser, Tel.: 030-40393530, wasser@grueneliga.de
Sebastian Schönauer, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sebastian.schoenauer@bund-naturschutz.de
Wolfgang Rebel, Berliner Wassertisch (www.berliner-wassertisch.info), Tel.: 0152-5723 3484, wolfgang.rebel@berliner-wassertisch.info
Dr.-Ing. Claudia Wendland, WECF, Claudia.Wendland@wecf.eu, Tel.: 04102-201 9505
Stefanie Hess, Weltfriedensdienst, hess@weltfriedensdienst.de, Tel.: 030-253 990 21
Dorothea Härlin, Berliner Wassertisch (www.berliner-wassertisch.net), Tel.: 030-69534080, Mobil: 0162-8941584, dorotheahaerlin@gmx.de
Stefan Reuter, BORDA, Tel.: 0421-40895220, reuter@borda.de
Johannes Rück, German Wash Network, Tel.: 030-41934345, johannes.rueck@washnet.de
Marijana Todorovic, Forum Umwelt und Entwicklung, Tel.: 030-6781775907, todorovic@forumue.de

 

BÖLW zum Weltwassertag: Bio-Bauern schützen Trinkwasser und retten Meere

Weltwassertag am 22.03.2017

Bio-Bauern schützen Trinkwasser und retten Meere

Berlin, 20.03.2017. Am 22. März 2017 ist Weltwassertag. Ziel des Internationalen Weltwassertages ist es, auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit aufmerksam zu machen. Der Vorsitzende des Öko-Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein, kommentiert mit Blick auf die Landwirtschaft:

„Bio-Bauern schützen unser Trinkwasser und retten unsere Meere. Ökolandbau verhindert Überdüngung, weil die Zahl der Tiere pro Fläche streng begrenzt ist. So stellen Bio-Bauern sicher, dass nicht mehr Nährstoffe mit dem Dünger ausgebracht werden, als die Pflanzen aufnehmen.

Bio-Bauern schützen ihre Pflanzen ökologisch, chemisch-synthetische Pestizide sind tabu. Auf diese Weise schützen Bio-Bauern unsere Gewässer davor, mit solchen Substanzen verschmutzt zu werden.

Bundesweit kooperieren Wasserwerke mit Bio-Bauern. Denn die Wasserwerke investieren lieber in eine grundwasserschonende Landwirtschaft anstatt viel Geld für Wasseraufbereitung auszugeben.

Die Bundesregierung muss mit ihrer Politik dringend den Ökolandbau stärken, für einen besseren Gewässerschutz in der Landwirtschaft.“

Hintergrund

Bereits heute verbraucht die Landwirtschaft etwa 70 % allen verfügbaren Süßwassers*. Laut Weltwasserbericht der UNESCO haben rund 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser. Größter Verbraucher ist die Landwirtschaft, sie beansprucht etwa 70% des gesamten Wasserbedarfs. Dabei wird nicht einmal ein Fünftel der landwirtschaftlichen Flächen bewässert. Für die Bewässerung wird meist Grundwasser gebraucht, das zwar auf natürlichem Weg relativ schnell kompensiert werden kann. Eine übermäßige Nutzung hat aber eine Absenkung des Grundwasserspiegels zur Folge. Außerdem trägt der Einsatz von Nitrat-Düngern zur Verunreinigung von Grundwasser bei. Die stärkste Auswirkung auf den Wasserverbrauch habe aber das geänderte Konsumverhalten: „Für die Herstellung von einem Kilogramm Reis werden 2.500 Liter Wasser benötigt, für ein Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter.“ Laut UNESCO kann nur mit einer Sektor übergreifenden internationalen Zusammenarbeit eine sinnvolle Wasserbewirtschaftung erreicht werden. (Quelle: weltagrarbericht.de)

*Hier ist „blaues Wasser“ gemeint, also Grund­ oder Oberflächenwasser, das zur Herstellung eines Produktes genutzt wird und nicht mehr in ein Gewässer zurückgeführt wird. In der Landwirtschaft ist es etwa das Wasser für die Bewässerung der Pflanzen.

Ansprechpartner: Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Tel.: 0049 171.3035 686, BÖLW-Pressestelle, Joyce Moewius, Tel. 0049 30.28482 307.

Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher Erzeuger, Verarbeiter und Händler von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland. Mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken werden jährlich von über 37.000 Bio-Betrieben 9,48 Mrd. Euro umgesetzt. Die BÖLW-Mitglieder sind: Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller, Bioland, Biokreis, Biopark, Bundesverband Naturkost Naturwaren, Demeter, Ecoland, ECOVIN, GÄA, Naturland, Arbeitsgemeinschaft der Ökologisch engagierten Lebensmittelhändler und Drogisten, Reformhaus®eG und Verbund Ökohöfe.

Weltwassertag 2017: Die Ressource Wasser besser schützen

Verdi, 22.03.2017

„Die Reformierung des Düngegesetzes und der Düngeverordnung ist seit langem überfällig. Überdüngung gefährdet Grundwasser und Oberflächengewässer“, betont Andreas Scheidt, Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) anlässlich des heutigen Weltwassertages. „Nach der Klage der EU-Kommission wegen andauernder Verletzung der Nitrat-Richtlinie hätte die Bundesregierung sehr viel schärfere Regelungen setzen müssen. So wird das Wasser nicht wirklich geschützt und die Trinkwasserversorger müssen immer mehr teure Technik einsetzen. Denn wir alle wollen einwandfreies Trinkwasser aus dem Hahn.“

Auch die Verwirklichung des Menschenrechts auf Wasser hänge von schärferen Regeln zur Reinhaltung ab. Wenn die Ressource Wasser nur mit Hilfe hoher Kosten zu Trinkwasser verarbeitet werden könne, würde vielen Menschen der Zugang verwehrt. „Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Sanitärversorgung ist aber Voraussetzung für die Verwirklichung fast aller anderen Menschenrechte. Hier hat auch Europa noch viel zu tun“, so Scheidt. Auch für Menschen in Deutschland, die in keiner Wohnung leben würden, sei der Zugang problematisch, da sie keinen Anschluss an die Versorgungsnetze hätten.

Bei der Gesetzgebung müsse die gesamte Wirkung aller notwendigen Maßnahmen betrachtet werden. „Wenn die Klärschlamm- und Düngemittelverordnungen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Forderung nach der 4. Reinigungsstufe alle gleichzeitig hohe Kosten für die Unternehmen der Abwasserentsorgung mit sich bringen, ist die Erhöhung der Gebühren die Konsequenz. Dann muss die Politik aber auch den Mut haben, den Bürgerinnen und Bürgern diese Folgen zu vermitteln“, so Andreas Scheidt.

Rückfragen: Clivia Conrad, Bundesfachgruppenleiterin Wasserwirtschaft, 0151/1267 3959

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